Less but better
Complementary to the short industrial design day here on this weblog, I wanted to post a link to Dieter Rams‘ Ten Commandments on Design. I couldn’t find any full version (I’m a lazy googler, though), so I decided to typewrite them. I posted it in english and german – this weblog is in english, but I think the original german version is a lot stronger.
In most cases I dislike dogmatic “Good design is …”-formulations; they often sound like mandatory guidelines and can have a very restrictive, narrow-minded impact – especially if there’s no concrete background or context. I think Dieter Rams did exactly the right thing by giving a clear explanation from his point of view for each case he makes. That’s why I also posted the “foreword”, since these lines emphasize his original intention very well.
The following text is taken from the book “Dieter Rams – Less but better” published by Jo Klatt Design+Design Verlag in 1995. It’s a very nice catalog providing an insight into Rams’ 40 year career as a designer (especially the Braun years) and showcasing some of his best work.
Zehn Thesen zum Design
Fundamental reflections, the – all things considered – essence of design which determined me and my fellow designers was summed up in ten simple statements a few years ago. They are helpful means for orientation and understanding. They are not binding. Good design is in a constant state of redevelopment – just like technology and culture.
Die Grundüberlegung, die – wenn man so will – Philosophie des Design, das für mich und meine Mitstreiter bestimmend war, ist vor Jahren in Form von zehn einfachen Thesen formuliert worden. Als Orientierungs- und Verständnishilfen haben sie sich bewährt. Eine Festschreibung sollen und können sie nicht sein. Die Vorstellungen davon, was gutes Design ist, entwickeln sich weiter – so, wie sich Technik und Kultur weiterentwickeln.
Good design is innovative.
Gutes Design is innovativ.
It does not copy existing product forms, nor does it produce any kind of novelty just for the purpose of it. The essence of innovation must clearly be seen in all funtions of a product. Possibilities in this respect are by no means exhausted. The current technological development keeps offering new chances for innovative solutions.
Es wiederholt weder bekannte Produktgestalten, noch erzeugt es beliebige Neuartigkeit als Selbstzweck. Gutes Design ist vielmehr innovativ darin, daß es im Hinblick auf die Funktionen eines Produkts deutliche Fortschritte erreicht. Die Möglichkeiten dafür sind noch längst nicht ausgeschöpft. Die technologische Entwicklung öffnet auch dem Design immer wieder Chancen für innovative Lösungen.
Good design makes a product useful.
Gutes Design macht ein Produkt brauchbar.
The product is bought in order to be used. It must serve a defined purpose – in both primary and additional functions. The most important task of design is to optimize the utility of a product.
Man kauft ein Produkt, um es zu benutzen. Es hat bestimmte Zwecke zu erfüllen – Primärfunktionen ebenso wie ergänzende Funktionen. Die wichtigste Aufgabe des Designs ist es, die Brauchbarkeit eines Produkts zu optimieren.
Good design is aesthetic.
Gutes Design ist ästhetisch.
The aesthetic quality of a product – and the fascination it inspires – is an integral part of the product’s utility. Without doubt, it is uncomfortable and tiring to have to put up with products which are confusing, that get on your nerves, which you are unable to relate to. However, it has always been a hard task to argue about aesthetic quality. For two reasons: First it is difficult to talk about anything visual since words have a different meaning for different people. Secondly, aesthetic quality deals with details, subtle shades, harmony and the equilibrium of a whole variety of visual elements. A good eye is required, schooled by years and years of experience, in order to be able to draw the right conclusions.
Die ästhetische Qualität eines Produkts – und damit seiner Funktion – ist ein integraler Aspekt seiner Brauchbarkeit. Denn ganz sicher ist es unangenehm und mühsam, Tag für Tag mit Produkten zu tun zu haben, die verwirrend sind, die einem buchstäblich auf die Nerven gehen und zu denen man keine Beziehung finden kann. Allerdings läßt sich über ästhetische Qualität schwer diskutieren. Dafür gibt es zwei Gründe: Es ist sehr schwierig, sich über Visuelles mit Worten zu verständigen, weil ein und dasselbe Wort für verschiedene Menschen eine ganz unterschiedliche Bedeutung haben kann. Und zweitens geht es bei ästhetischer Qualität um Nuancen, um feine Abstufungen, um den Gleichklang und das subtile Gleichgewicht einer Vielzahl von visuellen Elementen. Man braucht ein Auge, das durch jahrelange Erfahrung geschult ist, um hier ein fundiertes Urteil zu haben.
Good design helps to understand a product.
Gutes Design macht ein Produkt verständlich, erhöht seine Selbsterklärungsqualität.
It clarifies the structure of the product. And more: The product speaks – in a sense. Optimally, the product is self-explanatory and saves you the long, tedious perusal of the operating manual.
Es verdeutlicht auf einleuchtende Weise die Struktur des Produkts. Aber mehr noch: Es bringt das Produkt sozusagen zum Sprechen. Im optimalen Fall erklärt sich ein Produkt selbst und erspart das frustrierende Studium von unverständlichen Bedienungsanleitungen.
Good design is unobstrusive.
Gutes Design ist unaufdringlich.
Products that answer this caption are tools. They are neither decorative objects nor works of art. Their design should always be neutral, they must not be seen, they must underline their usefulness.
Produkte, die einen Zweck erfüllen, haben Werkzeugcharakter. Sie sind weder dekorative Objekte noch Kunstwerke. Ihr Design sollte deshalb neutral sein, die Dinge zurücktreten lassen und dem Menschen Raum geben.
Good design is honest.
Gutes Design ist ehrlich.
An honestly designed product must not claim features it does not have – more innovative, more efficient, of higher value. It must not influence or manipulate buyers and users.
Es versucht nicht, ein Produkt anders erscheinen zu lassen, als es wirklich ist – innovativer, leistungsfähiger, wertvoller. Es manipuliert den Käufer und Gebraucher nicht, stiftet ihn nicht zum Selbstbetrug an.
Good design is durable.
Gutes Design ist langlebig.
Nothing trendy which might be out of date tomorrow. This is one of the major differences between well-designed products and trivial objects for a waste-producing society. Waste must no longer be tolerated.
Es hat nichts Modisches, das schnell veraltet wirkt. Damit unterscheiden sich gut gestaltete Produkte tiefgreifend von kurzlebigen Trivial-Produkten einer Wegwerfgesellschaft, für die es heute keine Berechtigung mehr gibt.
Good design is consequent to the last detail.
Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail.
Thoroughness and accuracy of design are synonyms in view of the product itself and its functions, seen with the eyes of the user.
Gründlichkeit und Genauigkeit des Design sind Ausdruck von Respekt – dem Produkt und seinen Funktionen, aber ebenso dem Gebraucher gegenüber.
Good design is concerned with environment.
Gutes Design ist umweltfreundlich.
Design must make contributions for a stable environment and sensible raw material situation. This does not only include actual pollution, but also the visual pollution and desctruction of our environment.
Das Design kann und muß seinen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt und Schonung der Ressourcen leisten. Dabei muß es nicht allein etwas gegen die physische, sondern auch gegen die visuelle Verschmutzung und Zerstörung der Umwelt tun.
Good design is as little design as possible.
Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.
Back to purity, back to simplicity!
Zurück zum Puren, zum Einfachen!

Roman…
13. February 2006
There was an interesting article in SZ’s (wo sonst? ;-) week-end edition. Basically it was saying that even “form follows function” is a way of ornamenting things. I won’t typewrite it thoug… :-P
“Kill Billy - Der Zweck heiligt die Form? Es ist an der Zeit, mit einem Mythos zu brechen. Das bessere Leben fängt mit allem an - nur nicht mit dem richtigen Design. Thomas Steinfeld in der SZ vom 11. Februar.”
Christophe Stoll…
13. February 2006
I wanna read this. Kannst du mir das aufbewahren? :-)
roman…
13. February 2006
Sure! Aber sicher doch!
Roman. Novel.
Roman…
13. February 2006
Zum Thema “Form follows Function”:
“Denn die eine Funktion, nach der sich die Form eines Gegenstandes richten soll - es gibt sie nicht. Keine Funktion tritt nur im Singular auf. Nicht einmal ein Schraubenzieher bleibt davon verschont, als Hammer, als Blumenstütze, als Schaber, Gabel, Mordinstrument, als Ausweis handwerklicher Kompetenz, ja sogar, professionell gestaltet und mit den Insignien eines bekannten Designers ausgestattet, kann er als Symbol von gutem Geschmack und mehr oder minder großer Zahlungsfähigkeit benutzt werden.”
“Denn was ist der Funktionalismus, wenn nicht die Abwesenheit des Ornaments? Und was ist die Abwesenheit aller Ornamente - wenn nicht selbst ein Ornament, das prächtigste von allen?”
Christophe Stoll…
14. February 2006
Ist das aus dem SZ-Artikel? Das ist auf jeden Fall die klassische Kritik am Funktionalismus (Abwesenheit aller Ornamente = ebenfalls ein Ornament) – auf dieses Argument bin ich schon ein paar mal gestoßen. Bin auf den gesamten Artikel gespannt.
Christophe Stoll…
14. February 2006
Kill Billy – der besagte SZ-Artikel ist jetzt online.
Christophe Stoll…
14. February 2006
Ich muß das nochmal lesen! ;-)
Mit dem Titel “Schluss mit dem Design-Quatsch!” hat er sich m.E. aber ein wenig selbst disqualifiziert. Schluss mit dem Design als Solches? Oder mit bestimmten Ausprägungen, Dogmen, Mythen, Eliten? Oder reine Provokation? Gar ein Ornament?
Davor, dass ich mir heute ein für mein Empfinden zeitgemässes* Regal kaufen kann, das meine Eltern schon seit über 30 Jahren besitzen, ziehe ich den Hut. Egal ob Funktionalismus oder Esoterik.
Was ich aber an Dieter Rams’ “Weniger, aber besser” so überzeugend finde – und weshalb ich seine Thesen hier auch geposted habe – ist die Tatsache, dass nach meiner Interpretation seiner Philosophie (diese Bezeichnung ist ihm ja sogar selbst schon fast zu festschreibend – siehe seine Relativierung “… wenn man so will …”) diese eben nicht viel mit der dogmatisch-sturen, phrasenhaften “Form folgt Funktion”-Haltung zu tun hat, sondern eine im Geiste zwar verwandte, jedoch weit offenere, zum eigenen Standpunkt zwischen Form und Funktion anregende Alternative bietet.
Ich sehe da genügend Spielraum. Und ich sehe wie relevant sie dadurch noch heute ist – z.B. in einigen Aspekten ebenfalls für digitale Produkte. Ich fühle mich durchaus dazu ermutigt, aus wenig mehr zu machen. Mir wird nicht vorgeschrieben, auf Ornamente zu verzichten. Aber wenn ich sie einsetze, dann sehr wohlüberlegt.
Aber die Funktion des Ornaments ist eine facettenreiche Kunst und Wissenschaft für sich …
* Die einzige immanent zeitlose Erscheinung überhaupt ist übrigens die Herbstzeitlose. Und die ist auch nicht wirklich zeitlos.
Roman…
14. February 2006
Also ich verstehe das nicht als “Schluss mit dem Design!” sondern eher als “Schluss mit dem Tamtam und der Arroganz von Leuten, die “Funktionalismus-Möbel” kaufen. So nach dem Motto: Das Moormann-Regal kann ja schön und praktisch und was-auch-immer sein. Es verbessert aber nicht die Gesellschaft. ;-)
Christophe Stoll…
14. February 2006
True. Es verbessert genausowenig die Gesellschaft wie dieser Artikel. Aber schön, dass es sowas gibt – das “Tamtam”, und das Geschreibe darüber/dagegen. Mit was sollen sich sonst Leute, die sich nicht für GALA-Inhalte interessieren, denn sonst den ganzen Tag beschäftigen?? :-)
Johannes Schardt…
14. February 2006
z.b. damit, dass britney spears barfuß auf eine öffentliche toilette gegangen ist. das war VIVA gestern abend mindestens 3 minuten sendezeit wert.
Christophe Stoll…
14. February 2006
Ja, aber das wird ja auch Titelthema der nächsten GALA werden!
precious | weblog »…
20. September 2006
[…] Speaking of Dieter Rams, this is one of his Ten Commandments on Design: Good design is concerned with environment. […]
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